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1. Entstehung von Weisel

Weisel wird schriftlich zum ersten Mal in einer Urkunde des Erzbischofs Adalbert I. in Mainz im Jahre 1128 erwähnt. Darin schenkt er dem Mainzer Domkapitel verschiedene Güter und Gefälle, darunter auch Geldeinkünfte aus „Wizzelo“ (Weisel), die von Wezilo herrührten, der von 1084-1088 Mainzer Erzbischof war (1). Weisel muss also zu Lebzeiten von Wezilo um 1084 schon eine Weile bestanden haben, wann es aber genau gegründet wurde, ist umstritten. Während Kaub bereits in einer Rheingauer Urkunde von 983 als „Cube“ erwähnt ist (2), sind für Weisel und auch für das Nachbardorf Dörscheid bisher keine älteren Belege bekannt.

Für die in früheren Texten vertretene Auffassung, Weisel sei von den Herren von Wisilo gegründet worden, deren Nachfahren die Niederadeligen von Heppenheft seien, gibt es keine historischen Belege. Stattdessen scheinen alle Urkunden, die sich auf die Herren von Wisilo beziehen, eine Erfindung des 19. Jahrhunderts zu sein. Und selbst zu den Niederadeligen von Heppenheft, die im Mittelalter an der Grenze zu Weisel resp. zur Kurpfalz eine kleine Burg gebaut hatten und zunächst in Diensten der Mainzer Erzbischöfe standen, gibt es keinerlei historisch belegte Verbindungen (3).

Hellmuth Gensicke ordnet Weisel einer vorgermanischen Gruppe von Siedlungen zu, deren Namen keltischen Ursprungs und damit vermutlich weitaus älter seien als das 6. Jahrhundert, in dem die Franken endgültig die Herrschaft über dieses Gebiet errangen (4). Aufgrund seiner Höhenlage, die mit ungünstigeren Siedlungsbedingungen verknüpft ist, ist Otto Volk der Auffassung, dass Weisel erst im Zuge des hochmittelalterlichen Landesausbaus, im 11. Jahrhundert gegründet worden sei, und zwar von Süden her (Richtung Kaub) (5). Dies erscheint nicht unbedingt plausibel, die Rodung und Besiedlung der Weiseler Gemarkung kann genauso gut von Westen her (Richtung Bornich) erfolgt sein. Vermutlich war der Ausgangspunkt ein herrschaftlicher Fronhof, um den herum sich Leibeigene und freie Bauern ansiedelten, für die schließlich eine eigene Pfarrkirche errichtet wurde. Dieser Fronhof, bis ins 19. Jahrhundert im Besitz wechselnder adeliger Herrschaften und der Stadt Kaub, bis er schließlich an Privatleute verkauft wurde, ist heute noch in der Mitte des Ortes in der Altpforterstraße 2 und 4 erhalten. Betrachtet man sich diesen Bereich in der heutigen Ortsmitte genauer, erkennt man, dass die ursprüngliche Gründung des Dorfes an einer Quellmulde erfolgte, aus der sich bis heute die spätere Urbach speist, die bei Dörscheid in den Rhein fließt. Dies unterstützt auch die Deutung von Adolf Bach, der den Ortsnamen von Weisel auf einen Gewässernamen – Weißbach – zurückführt (6).

Ein im Jahre 1991 neben dem Dorf entdeckter römischer Grabhügel, bis dahin einzigartig auf der rechten Seite des Rheins, belegt, dass Weisel in diesem Bereich zumindest auch in der Römerzeit schon besiedelt war, wenn auch „nur“ mit einem römischen Gutshof (7). Der Ausgräber glaubte damals ältere Siedlungsspuren zu erkennen, konnte dies aufgrund der schlechten Erhaltungsbedingungen des Bodens aber nicht mit Sicherheit sagen. Allerdings muss davon ausgegangen werden, dass es zwischen dem römischen Gutshof und der mittelalterlichen Dorfgründung wahrscheinlich keine Siedlungskontinuität gegeben hat.

Ältere Bodendenkmäler sind noch aus dem Walddistrikt an der Straße nach Ransel bekannt. Es handelt sich hier um Hügelgräber vermutlich aus der Bronze- oder Eisenzeit, die entlang der früheren „Hohen Straße“, einem alten Höhenweg angelegt worden waren. Auf weitere vorgeschichtliche, vermutlich keltische Siedlungs- oder Kultplätze deuten die Gemarkungsnamen Heiligenberg und Altekirch wie auch „Hiehnerhaus“ hin.

1. Nassauisches Urkundenbuch, Nr. 98.

2. Nassauisches Urkundenbuch, Nr. 176.

3. Göttert, Margit: Die Niederadeligen von Heppenheft, im Internet veröffentlicht unter http://www.loreley.de/heppenheft/.

4. Gensicke, Hellmuth: Geschichtliche Grundlagen. In: Helmut Rang, Manfred Schick u.a.: Die deutschen Landkreise. Handbuch für Verwaltung, Wirtschaft und Kultur. Loreleykreis. Landeskundliche Kreisbeschreibung als Grundlage für Verwaltung und Landesentwicklung. Speyer am Rhein 1965, S. 67.

5. Volk, Otto: Wirtschaft und Gesellschaft am Mittelrhein vom 12. bis zum 16. Jahrhundert, Wiesbaden 1998.

6. Bach, Adolf: Deutsche Namenkunde, Bd. 2: Die deutschen Ortsnamen, 2. Teil, 1953/54.

7. Leider ist der Grabungsbericht vom Landesdenkmalamt Koblenz bis heute unveröffentlicht, so dass auch die Absicht der Gemeinde, einzelne Grabfunde in Weisel auszustellen, bisher nicht verwirklicht werden konnte.