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Christian Jakob Kappus (1882-1945 Wiesbaden)

Lehrer und Heimatforscher

Christian Jakob Kappus wurde am 21.12.1882 in Weisel als ältester Sohn des Landwirts Philipp Adolf Kappus und seiner Frau Anna Magdalena Knecht in der Klappergasse geboren. Seine Eltern ermöglichten ihm, sich im Seminar in Usingen zum Lehrer ausbilden zu lassen. Schon für den Bruder seines Vaters, Johann Jakob Wilhelm Kappus, geb. am 09.01.1860, auch ein Sohn des Gemeinderechners Johann Peter Kappus, war diese Laufbahn vorgesehen, leider starb dieser aber schon 1880 an Tuberkulose im Lehrerseminar in Usingen. Eine gedruckte Trauerrede zu seinem Tod befindet sich noch heute im Besitz der Familie.

Nach Ablegung seines Examens arbeitete Christian Kappus zunächst als Lehrer in Burg/Dillkreis, danach in Dausenau an der Lahn (1906-1910) und ab 1910 als Mittelschullehrer in Wiesbaden. Dazwischen machte er Reisen nach Frankreich und England, um sich weiterzubilden. In Wiesbaden heiratete er 1917 seine erste Frau Johanna Munzow aus Neuried-Altenheim in Baden, von der er sich aber 1926 wieder scheiden ließ. Dieser Ehe entstammte ein Sohn. Mit Lilli Metscher aus Iserlohn ging er die zweite Ehe ein, in der eine Tochter geboren wurde. In Weisel war er sehr oft zu Besuch bei seinen Eltern und seinen Geschwistern in der Klappergasse, ihm und seinem Sohn Adolf verdankt die Familie viele frühe Fotografien.

Schon seit seiner Kindheit interessierte sich Christian Kappus für die Geschichte von Weisel und der Region, forschte u.a. in Wiesbaden im Hauptstaatsarchiv und publizierte eine ganze Reihe von Aufsätzen, z.B. in der Zeitschrift Nassovia, die von 1900 bis 1934 in Wiesbaden erschien. Einer der ersten Artikel war der zum "alten Palm" von 1913, aus dem Auszüge hier veröffentlicht sind (siehe unter Philipp Adam Palm).

Weil Christian Kappus aus politisch-deutschnationaler Grundüberzeugung ein Protestschreiben gegen die französische Besatzung in Wiesbaden, die von 1918-1924 währte, unterschrieben hatte,wurde er vorübergehend aus Wiesbaden ausgewiesen und zog nach Marburg, wo ihm seine jüngste Schwester Mathilde den Haushalt führte. Dort wurde er Mitarbeiter am Deutschen Sprachatlas und am Hessen-Nassauischen Volkswörterbuch. Diese mundartlichen Forschungen trugen ihm unter anderem den Titel eines Ehrensenators der Universität Marburg im Jahr 1927 anlässlich der 400-Jahr Feier ein. Sein noch weitgehend unausgewerteter schriftlicher Nachlass zur Geschichte von Kaub und Weisel wird im Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden aufbewahrt (Bestand 1121), andere Nachlassteile zur Mundartforschung wurden von der Familie der Universität Marburg übergeben. In der "Nassauischen Biographie" von Otto Renckhoff (2. Aufl. Wiesbaden 1992, Nr. 2103) wird er ebenso gewürdigt wie 1950 in einem Nachruf in den "Nassauischen Annalen" (Bd. 61, 1950, S. 244).

Christian Kappus nahm als Soldat am I. und am II. Weltkrieg teil und brachte es bis zum Range eines Majors. Angeblich wegen Erreichung der Altersgrenze wurde er 1943 aus dem Militärdienst entlassen. Am Abend des 4. April 1945 klingelten ein paar Männer an seiner Wohnungstür in Wiesbaden in der Schützenhofstraße und befahlen der Tochter, ihn zu rufen. Als er erschien, fragten sie ihn nach seinem Namen und als er antwortete, schossen sie auf ihn. Wegen der Ausgangssperre, die die Besatzungstruppen verhängt hatten, hatte die Familie größte Mühe, einen Arzt zu rufen. Zwei Tage später starb Christian Kappus und wurde in aller Stille auf dem Südfriedhof in Wiesbaden begraben. Später kursierten verschiedene Gerüchte zu den Gründen für seine Ermordung, die alle einen Racheakt vermuteten: die einen sagten, er sei an der Erschießung von Partisanen in Russland beteiligt gewesen, andere meinten, dass kriegsgefangene Russen ihn für Deportationen von Landsleuten aus ihrer Heimatstadt verantwortlich machten, wo er Kommandant gewesen sei, wieder andere behaupteten, er sei von plündernden polnischen Landarbeitern erschlagen worden - letztlich wurden die Täter nie gefasst und die Gründe für seinen Tod nie aufgeklärt.